Japan abseits der Golden Route: 10 Fragen an Jan Knüsel
DACH, Frankfurt
Wie kann man eine Japanreise gestalten, wenn man nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten sehen, sondern das Land wirklich verstehen möchte? Im Interview spricht Jan Knüsel über seine Faszination für Japan, die Vielfalt Westjapans und die Idee hinter der ‚Jan in Japan‘ Signature-Reise.
Japan hat viele Gesichter, doch viele Reisende lernen zunächst nur eines davon kennen: Tokio bei Nacht, die Tempel von Kyoto, den Shinkansen und die grossen Klassiker der sogenannten Golden Route. Diese Erlebnisse gehören zu einer Japanreise dazu. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt ein Land, das weit über seine bekanntesten Bilder hinausreicht.
Für unsere neue Reise Westjapan-Entdeckungen: Eine ‘Jan in Japan‘ Signature-Reise haben wir mit Jan Knüsel zusammengearbeitet. Jan ist Schweizer Japanologe, Journalist, Filmemacher und Gründer von ‘Jan in Japan‘, einem der bekanntesten deutschsprachigen Japan-Reiseblogs. Seit über drei Jahrzehnten bereist er Japan intensiv und interessiert sich besonders für Regionen, die abseits der klassischen Routen liegen.
Die Reise führt von Tokio und Kyoto weiter nach Kinosaki Onsen, entlang der Sanin-Küste nach Matsue, Izumo und zum Adachi Museum of Art. Danach folgen Okayama, Takamatsu oder Naoshima, Kurashiki oder Onomichi sowie Himeji, bevor die Route nach Tokio zurückkehrt. Im Interview erzählt Jan, warum gerade diese Kombination aus Klassikern und weniger bekannten Regionen einen besonders persönlichen Zugang zu Japan eröffnet.
Das Interview mit Jan Knüsel
Deine persönliche Beziehung zu Japan begann 1995. Was fasziniert dich noch immer an diesem Land?
Jan: Es sind mehrere Dinge, die mich immer wieder zurückziehen. Die Herzlichkeit der Menschen – eine Gastfreundschaft, die nicht aufgesetzt wirkt, sondern selbstverständlich ist. Die kulturelle Tiefe, die sich auch nach vielen Reisen nicht erschöpft. Man kommt nie an einen Punkt, wo man sagen kann: Jetzt kenne ich Japan. Und die klimatische Vielfalt: Japan ist ein Archipel mit unterschiedlichen Landschaften, Klimazonen und Lebensweisen. Was mich ausserdem nie loslässt, ist dieser japanische Anspruch, Dinge perfekt zu machen.
Warum lohnt es sich, Japan über Tokio, Kyoto und die klassische Golden Route hinaus zu entdecken?
Jan: Weil Japan so viel grösser ist als diese Route vermuten lässt. Die Tempel Kyotos und die Museen und Wolkenkratzer Tokios sind real und sehenswert – aber sie erzählen nur einen Teil der Geschichte. Japan hat eine enorme Vielfalt an kulturellen und natürlichen Orten, die kaum jemand auf dem Radar hat. Und dann ist da noch das Tempo: Auf dem Land hat man Zeit. Man begegnet Menschen, die nicht im Dauerstress leben. Man kann sitzen, schauen, nachfragen. Das ist eine andere Reiseerfahrung.
Unsere Signature-Reise führt bewusst nach Westjapan und in die Sanin-Region. Was macht diese Gegend für dich so besonders?
Jan: Ich nenne die Sanin-Region gerne die vergessene Seite Japans. Sie liegt zwar auf der grössten Hauptinsel Honshu, hat aber keine Shinkansen-Verbindung – und genau das hat sie bewahrt: historische Städte, eine imposante Küstenlandschaft und versteckte Onsen-Orte. Wenn ich in der Sanin-Region einem Europäer begegne, weiss ich: Diese Person hat sich wirklich mit Japan beschäftigt. Das sagt einiges über die Qualität des Publikums – und über die Qualität der Erfahrung.
Warum eignen sich Matsue, Izumo oder Onomichi besonders, um Japan jenseits der klassischen Routen besser zu verstehen?
Jan: Jeder Ort dieser Reise steht für eine andere Dimension Japans. Kinosaki Onsen ist ein historischer Badeort, der seine Atmosphäre pflegt. Matsue hat eine original erhaltene Burg aus der Edo-Zeit und ein Lafcadio-Hearn-Museum, das hilft, die Geschichte des Landes aus westlicher Perspektive zu verstehen. Izumo ist ein spirituelles Zentrum: Hier steht einer der bedeutendsten Shinto-Schreine Japans. Onomichi wiederum ist eine liebevolle Hafenstadt mit nostalgischer Atmosphäre.
Warum war dir der Kontrast zwischen Tokio, Kyoto und Himeji sowie ruhigeren Orten wie Kinosaki Onsen, Matsue, Izumo und Onomichi wichtig?
Jan: Weil ich denke, dass man Japan nur dann wirklich versteht, wenn man beide Seiten sieht. Wer nur Tokio und Kyoto besucht, geht mit einem verzerrten Bild nach Hause – und mit dem Gefühl, dass Japan überfüllt ist. Dabei hat Japan kein Overtourism-Problem, sondern ein Verteilproblem. Die sozialen Medien haben dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen dieselben Orte besuchen. Diese Route zeigt, dass es Alternativen gibt – und dass diese Alternativen oft die interessanteren Erfahrungen bieten.
Was sollten Reisende in Kinosaki Onsen unbedingt erleben, um die japanische Badekultur zu verstehen?
Jan: Die sieben öffentlichen Badehäuser aufsuchen – am Abend, im Yukata. Das ist das Herzstück der Kinosaki-Erfahrung. Man geht von Bad zu Bad, schlendert durch die Gassen. Es ist kein Wellness-Konzept, sondern ein Gemeinschaftsritual, das in Japan eine sehr lange Tradition hat. Wer das einmal erlebt hat, versteht Onsen auf eine andere Art als jemand, der nur das Hotelbad kennt.
Was bleibt dir in Matsue, Izumo und im Adachi Museum of Art besonders in Erinnerung?
Jan: Diese drei Orte stehen für drei Grundpfeiler Japans. Matsue für die Geschichte – die Edo-Zeit ist dort greifbar, nicht museal inszeniert. Izumo für die Spiritualität – der Grosse Schrein Izumo Taisha ist einer der ältesten und bedeutendsten des Landes, und wer dort steht, spürt das Gewicht dieser Tradition. Das Adachi Museum of Art steht für die japanische Ästhetik: die unablässige Suche nach Perfektion in der Gestaltung. Der Garten gilt als lebendiges Gemälde – und das ist keine Übertreibung.
Für welchen Reisetyp ist diese Route besonders geeignet?
Jan: Für Menschen, die neugierig sind. Die nicht einfach eine Liste abhaken wollen, sondern wirklich verstehen möchten, warum Japan so ist, wie es ist. Die bereit sind, manchmal langsamer zu reisen, um mehr zu erleben. Die Route eignet sich auch hervorragend für Erstreisende, die von Anfang an die Vielfalt des Landes kennenlernen wollen, statt nur seine bekanntesten Kulissen.
Was war dir bei der Entwicklung dieser Reise gemeinsam mit Japanspecialist besonders wichtig?
Jan: Mir war wichtig, eine Route zu entwickeln, die zwei Dinge gleichzeitig kann: die Bedürfnisse von Erstreisenden ernst nehmen und trotzdem ein echtes Fenster in die Vielfalt Japans öffnen. Die klassischen Highlights fehlen nicht – sie bilden das Fundament. Aber die Route geht darüber hinaus und führt in Regionen, die zeigen, dass Japan viel mehr Seiten hat, als die meisten erwarten.
Wenn du Reisenden aus der Schweiz, Deutschland oder Österreich nur einen Grund nennen dürftest, warum sie diese Route wählen sollten: Welcher wäre es?
Jan: Weil du auf kompaktem Raum auf Gegensätze triffst, die du so kaum woanders findest. Die urbane Seite der Sanyo-Region auf der einen Seite – und die ländliche, stille, historisch reiche Sanin-Region auf der anderen. Das ist nicht eine Japanreise. Das sind zwei Japans in einer Reise.
Japan mit mehr Tiefe erleben
Unsere Reise in Zusammenarbeit mit Jan richtet sich an Reisende, die Japan nicht nur sehen, sondern besser verstehen möchten. Sie verbindet bekannte Höhepunkte wie Tokio, Kyoto und Himeji mit ruhigeren Orten, an denen Geschichte, Spiritualität, Badekultur und Alltagsleben auf eine besonders authentische Weise erfahrbar werden.
Gerade dieser Wechsel macht die Route besonders. Kinosaki Onsen, Matsue, Izumo, das Adachi Museum of Art, Okayama, Kurashiki und Onomichi öffnen den Blick für ein Japan, das abseits der klassischen Route oft persönlicher, langsamer und vielschichtiger wirkt.
So entsteht eine Reise, die die berühmten Bilder Japans nicht ersetzt, sondern ergänzt: mit mehr Zeit für Entdeckungen, Begegnungen und Orte, die lange in Erinnerung bleiben.
Japan neu entdecken
Auf Jans Spuren in Westjapan: Entdecke das Land zwischen Klassikern, Onsen-Orten und verborgenen Regionen.
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